Fiesole, die Schwester Von Florenz

Einer meiner Lieblingsausflüge ausserhalb von Florenz ist der Besuch von Fiesole.

Vorausgesetzt, dass es gerade keine Mitte Juli ist und meine Gäste gerne spazieren, lassen wir das Auto oder steigen aus dem Bus aus dort wo der Weg VECCHIA FIESOLANA beginnt.
Der Weg schlängelt sich bergauf der alten Gartenzäune entlang, die hinter sich prächtige Willen und wundervolle Gärten verbergen. Im Frühling verströmt der Blauregen einen intensiven Geruch, im Sommer dagegen ist die Luft mit dem Harzduft der Zypressen und Pinien erfüllt.

Laut singen die Zikaden, typische Geräusche des Südens.

Wir gehen die moosigen Steinstufen hinauf und nehmen dann einen Feldweg wo sich plötzlich vor unseren Augen ein herrlicher Blick auftut:
ein Meer der roten Ziegel und mitten drin die Kuppel des Domes Santa Maria del Fiore, überwältigend, sie überragt alles.

Kein Wunder, dass die Medici eben diesen Ort für Ihre Landvilla gewählt haben.
Hier, unter den Olivenbäume, weit von Stadtlärm, aber ausreichend nah um jederzeit am Piazza della Signoria in Florenz einzutreffen, von hier aus übten sie ihre diskrete aber immerwährende Kontrolle über Florenz aus.

Wir gehen aber weiter, reisen durch die Zeit bis zum Moment in dem die Etrusker eine neue Siedlung auf den Hügeln, die das Tal des Arno und des Mugnone beherrschen, gegründet haben. Sie nannten sie Vipsul. Entscheidend war hier die tolle strategische Lage des Ortes, perfekt um die Befestigungsanlagen zu schaffen, gute Fernsicht hatte und damit ausgezeichnete Bedingungen für Angriff wie Verteidigung bot. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit die Handelswege zu kontrollieren.

Aus der Zeit sind die Überreste der gewaltigen Stadtmauern aber auch die Gegenstände aus dem Alltag geblieben, die Funde werden hauptsächlich in dem archäologischen Museum zu Florenz aufbewahrt. Broschen, Haarnadeln, Kopf-, Haar- und Armschmuck sind echte Meisterwerke und zeichnen sich durch eine raffinierte Feinheit aus.
Wir werden die Bräuche der Etrusker kennenlernen und ihre komplizierte Welt im Jenseits erforschen. Wir werden feststellen was für ein interessantes Volk die Etrusker auch
waren, die Gesellschaft, in der die Frau eine führende Rolle spielte, ein kriegstüchtiger Volk, das aber nicht mit nicht weniger Passion der Kunst gewidmet war, sei es als Bewunderer oder auch als aktive Künstler.

Sie liebten Tanz und Musik, die religiösen Riten wurden von einer Musik begleitet, deren Instrumente lange Blashörner, Flöten aus Hörn, Metall und Holz, Zittern und eine Art Gitarre waren.

Fiesole war aber nicht nur eine etruskische Stadt sondern auch eine römische Kolonie und der Clou unseres Ausflugs ist eben der Besuch des archäologischen Gebiets.
Seit dem III. Jahrhundert war Fiesole eine Alliierte Roms aber mit der Zeit bekamen die Römer die Oberhand und begannen ihre Macht auszuüben.

Ein sehr gut erhaltenes Theater, die Thermen, der Tempel erlauben uns, sich den Alltag eines römischen Bürgers vorzustellen.
Nicht nur “panem et circenses”, die das Volk von den politischen und wirtschaftlichen Realitäten ablenken sollten sondern auch das Forum wosich das politische Leben der Stadt konzentrierte, Theater wo die Zuschauer ein intellektuelles Vergnügen höherer Art haben sollten oder die Thermen. Dort trafen sich die Leute nicht nur zum Baden und
Waschen sondern auch zum Spiel, zur Unterhaltung und zum Faulenzen. Dort konnte man die Neuigkeiten austauschen, einen Freund treffen, ein gutes Geschäft abschliessen oder sogar sich von einem Zahnarzt behandeln lassen.

Und so plaudern und auf Wunsch meiner Gäste beenden wir unseren Ausflug in der Bar mit dem Blick auf die römischen Überresten bei einem Glas Prosecco.
In der Ferne ragen die Ketten des Apennins empor, der Wind raschelt in den silbernen Olivenblättern und die Zikaden haben immer noch nicht aufgehört zu singen.
Wir füllen uns fast wie mit einer Magie erfüllt, Fiesole ist ein Traum der sich vor unseren Augen abspielt.
Ich lade Sie ein, um ein Protagonist dieses Traumes zu werden, Sie werden es nicht bereuen!

Herzlich willkommen in Fiesole.